Doppelt gemobbt

Literatur. Wilfried Ohms erzählt von einer todesbleiernen österreichischen Zwillingsexistenz.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Klavierspieler haben es nicht leicht. Deswegen ist der Leser von Wilfried Ohms Erzählung "Abschied vom Spiegelbild" auf den Seiten 46 ff. zunächst einmal irritiert: Da beginnt der Zwillingsbruder des Icherzählers ohnehin schon etwas spät - die beiden Protagonisten sind offenbar etwa gleichen Alters wie der 1960 in Graz geborene Autor - mit dem Klavierunterricht, und dann spielt er sich in kürzester Zeit durch Cernys "Schule der Geläufigkeit" zu Bach und Beethoven und schafft es dabei auch noch, sich aus der Doppelmühle des Zwillingsdaseins zu befreien: "Dieser für ihn wichtigste Teil seines Lebens sollte nur ihm alleine gehören."

Eine glückliche Pianistenkarriere in der österreichischen Gegenwartsliteratur? Das darf nicht sein! Also macht der realitätsfanatische Vater auf Seite 49 den Ambitionen seines Sohnes ein Ende und streicht ihm die Klavierstunden: "Nach nicht einmal zehn Minuten war so der Lebenstraum meines Zwillingsbruders ausgeträumt." Irgendwie war damit zu rechnen


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