Aufgeblättert

Kultur | Stefan Ender | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Axel Hacke ist der Daniel Glattauer der Süddeutschen Zeitung, sozusagen. Im so formidablen "SZ-Magazin", wo vor kurzem der legendäre Chefredakteur Ulf Poschardt geschasst wurde und wo zwei der talentiertesten Schreiberlinge überhaupt, nämlich Rebecca Casati und Moritz von Uslar, werken (aber das führt uns jetzt vieleicht ein bisschen zu weit weg vom Thema), gewährt Axel Hacke allfreitäglich Einblicke in die Gedankenwelt des überforderten, weil hochgradig sensiblen, ängstlichen und übervorsichtigen Citoyens, also somit in die unsere. Zwei von seinen handlichen, bunten Kolumnenzusammenfassungswerken sind schon erschienen, nun folgte vor kurzem noch die Nr. 3. Der drohende Titel: "Ich sag's euch jetzt zum letzten Mal".

47 kleine, nette Texte sind da drinnen, und ungefähr gleich so viele kleine, nette Bildchen gibts auch noch mit dazu. Liest man die Titel "Warum ich beim Sex an Regen denke", "Ein Abend mit Babyfon" und "Als ich meinen Kühlschrank küsste", weiß man sofort, dass die drei großen Lebensdinge des Autors nach wie vor dieselben geblieben sind: die forsche Kolumnistenfrau Paola, der Kolumnistensohn Luis sowie der überforderte, weil hochgradig sensible, ängstliche und übervorsichtige Kolumnistenkühlschrank Bosch. Sie alle liebt der Autor heiß und innig, sie alle machen ihm aber zeitweise auch das Leben noch ein bisschen schwerer, als es eigentlich sowieso schon ist. "Warum fehlt mir alles Lässige?", fragt er sich dann etwa. "Warum fühle ich mich für alles verantwortlich? Warum bin ich nicht easy?" Die drei bleiben stumm.

Vom Kolumnenzusammenfassungswerk Nr. 2 mit Titel "Auf mich hört ja keiner" wäre auch eine Hör-CD erhältlich; Hacke läse hier höchstselbst aus seinem Werk, und zwar mit heller, klarer Stimme und nicht ohne dramatische Talent. Aber Hör-CDs kauft sowieso kein Mensch.

Axel Hacke: Ich sag's euch jetzt zum letzten Mal. München 2000 (Kunstmann). 156 S., ÖS 146,-.

Axel Hacke: Auf mich hört ja keiner. München 2000 (Hörkunst bei Kunstmann). ÖS 218,


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