Stadtrand: God save British food

Stadtleben | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Unter Menschen, die a) ahnungslos sind und b) eigenen Angaben zufolge "die schönen Dinge des Lebens" zu genießen wissen, hat der "British Way of Life" keinen besonders guten Ruf. Insbesondere die Ernährungsgewohnheiten stoßen auf Reaktionen, die sich auf einem Spektrum zwischen milder Skepsis und hysterischem Gelächter einreihen: lauwarmes und kohlensäurearmes Bier! Bohnengulasch an gekochter Tomate zum Frühstück!! Mintsauce!!! Haha!!!! Nun, eine differenzierte Einschätzung, die Distanz zu den eigenen Ressentiments hält, ist von diesen selbsternannten Gourmets und Connaisseuren nicht zu erwarten. Kein Wort davon, dass ein labbriges Schinkensandwich mit Coleman's English Mustard, eventuell in Begleitung eines Coleslaw jemandes Tag machen kann! Kein Wort auch davon, dass zwei, drei ordentliche Häferln schweren Milchtees die Mindestdosis sind, die unsereins braucht, um diesem Tag begegnen zu können. Die extrastarke Mischung der Hausmarke St. Michael - "rich, bright an malty" - war da gerade recht. Und billig! Jetzt hat der Marks & Spencer auf der Mariahilfer Straße seinen Food-Store geschlossen und verkauft nur noch Klamotten. Auf die könnten wir ja verzichten. Aber der Tee! Und die Kekse!! Bleibt nur noch das Best of British in der Schleifmühlgasse. Bollocks! K. N.


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