Man spricht kurdisch

Ausländer. Man bemerkt sie nur, wenn sie lautstark auf den Straßen demonstrieren wie nach der Verhaftung des PKK-Führers Öcalan. Sonst leben die 12.000 Wiener Kurden in ihrer eigenen Welt. Ein Streifzug durch diese Welt, die sich jetzt auch den Österreichern öffnen will.

Stadtleben | Nina Horaczek und Julia Ortner, Felicitas Kruse (Fotos) | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Das Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe ist gerammelt voll. Überall festlich gekleidete Kurden. Man spricht einen Kauderwelsch aus Kurdisch, Türkisch und Deutsch. Özlem wird hier ihren Freund Sahin heiraten: Ein besonderer Tag für die kurdische Gemeinde, die auf das Brautpaar wartet. Mehr als zweihundert Menschen sitzen schon dicht gedrängt zusammen. Hochzeiten, bei denen man alte Freunde wieder trifft, kann man nicht auslassen. Aus der Damentoilette dringen Rauchschwaden. Junge Kurdinnen nebeln sie mit ihren Zigaretten ein. Schließlich gilt es unter Kurden als unhöflich, vor älteren Menschen zu rauchen. Im Festsaal spielt eine Musikgruppe leise kurdische Weisen.

Plötzlich Trommelwirbel. Sahin und Özlem betreten mit ihren Eltern den Saal. Ein Kurde spielt lautstark auf der Zurna, der klassischen kurdischen Flöte. Ein anderer trommelt dazu. Sahins Mutter stimmt einen Tilili, den kurdischen Jubelschrei, an und tanzt vor Freude weinend mit dem Brautpaar durch den Saal. Alle


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