Merkwürdigkeiten

Printmedien 2. Österreichs Medienlandschaft ist merkwürdig. Das Merkwürdigste daran ist, dass nur wenige sie tatsächlich für merkwürdig halten.

Medien | Armin Thurnher | aus FALTER 39/00 vom 27.09.2000

Österreichs Medienlandschaft ist merkwürdig, wenn nicht einzigartig. Die weltweiten Trends greifen auch hier Platz, wenngleich öfter als Farce denn als Trauerspiel: Digitalisierung, Konvergenz, Konzentration. Und wir beobachten die Entkernung des Öffentlichen, das heißt, wir bekommen scheinbar immer mehr an Öffentlichkeit, während die Idee der Öffentlichkeit darin verschwindet.

Die Zweite Republik hat bei ihrer Konstruktion auf alles Wert gelegt, nur nicht auf die Herstellung von Öffentlichkeit. Sozialer Frieden und wirtschaftlicher Erfolg waren erkauft um den Preis institutioneller Konfliktscheu, die Verfassung brauchte keine Debatte, also keine Öffentlichkeit, ein Dekret reichte aus. Parteien und Interessenvertretungen bedurften keiner Öffentlichkeit, ihnen genügten Organe. Der Staat hatte nur ein Interesse: sich selbst per Amnesie außer Frage zu stellen. Die Alliierten verzichteten, teils wegen Aussichtslosigkeit, teils aus machtpolitischer Räson, auf eine Reeducation nach


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