Kommentar: Bin Theaterkritiker, suche Arbeit

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 39/00 vom 27.09.2000

Psst! Sie da! Ja, Sie! Entschuldigen Sie, dass ich Sie so direkt anspreche. Können Sie ein Geheimnis bewahren? Egal, ich sags Ihnen trotzdem: Ich bin Theaterkritiker von Beruf. Was gibt es da zu lachen? Eben. Ich habs mir doch nicht ausgesucht. Hat sich so ergeben. Und es ist im Prinzip ja auch ein toller Job: Man kriegt nicht nur für jede Premiere Karten, man muss noch nicht einmal dafür bezahlen! Unter uns gesagt: Es kommt auch bei Frauen gut. Der Spruch "Ich bin Theaterkritiker!" funktioniert fast immer. Und spätestens, wenn man en passant erwähnt, dass man Karten für die Gruppe 80 hat, ist die Sache praktisch gelaufen.

Sie haben es sicher schon bemerkt: Ich scherze. Es ist der bittere Humor eines Mannes, dem gerade die Felle davonschwimmen. Noch nie war es so hart, Theaterkritiker zu sein, wie hier und heute. Noch nie waren Premierenkarten so unwichtig wie 2000 in Wien. Noch nie war es Frauen so egal, was in der Gruppe 80 oder sonstwo gespielt wird. Sprechen wir es offen aus:


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