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Kultur | W.Kralicek / C.Fastner | aus FALTER 39/00 vom 27.09.2000

Eigentlich ist es längst bei Strafe verboten, "Raumschiff Enterprise" zu persiflieren. Und normalerweise nehmen Kabarettisten, die auch nur einen Funken Selbstachtung besitzen, davon Abstand, Hans Moser, Oskar Werner, Otto Schenk, Marcel Reich-Ranicki oder Bruno Kreisky zu parodieren. Was passiert, wenn alle diese ungeschriebenen Gesetze auf einen Schlag gebrochen werden, ist derzeit jeden Sonntag im Kabarett Niedermair zu erleben. In der neuen Ausgabe der "Langen Nacht des Kabaretts" geben Werner Brix, Severin Groebner, O. Lendl, Mike Supancic und I Stangl drei Stunden lang nicht nur Perlen ihres jeweiligen Schaffens, sondern auch neu einstudierte Gruppenszenen zum Besten. Die erwähnte Enterprise-Nummer ist übrigens so verboten, dass sie schon wieder Spaß macht.

Eine ungewöhnliche Koproduktion: Für Simon Holts "The Nightingale's to Blame" tat sich die wieder auferstandene Wiener Taschenoper mit Musikuniversität und Akademie für bildende Kunst zusammen, kam so an die Studiobühne des Reinhardt-Seminars sowie an ein Leadingteam von sechs Studierenden und brachte selbst ihren musikalischen Leiter Peter Rundel ein - einen Mann der ersten Liga also in der ansonsten von Lokalgrößen geprägten freien Szene. So weit, so gut: Das Taschenorchester spielte sich souverän durch die vertrackte Vertonung von Garcia Lorcas "Amor de Don Perimplin ...", die Jungregisseure und -bühnenbildner verliehen dieser Geschichte eines alternden Junggesellen auf fataler sexueller Entdeckungsreise mit minimalen Mitteln mediterranen Flair. Dass der letzte Kick trotzdem fehlte, liegt wohl am Stück: "The Nightingale" reißt einen - zumindest beim ersten Hören - nicht unbedingt mit.


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