Streifenweise

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 39/00 vom 27.09.2000

Es fängt gut an: Der Titelsong ("The Civil Wars") ist von David Byrne. Dazu sehen wir Roland Düringer durch den zweiten Bezirk latschen. Er nähert sich zögerlich einem Supermarkt, setzt sich Perücke und Faschingsbrille auf, zieht an der Kassa eine Pistole - und wacht auf. Alles nur geträumt: Das war die erste Pointe aus Florian Flickers drittem Spielfilm "Der Überfall". Nachdem wir erfahren haben, dass Düringer in Scheidung lebt und die Alimente für seinen Sohn nicht bezahlen kann, will der tolpatschige Held den Traum in die Tat umsetzen, landet aber nur im muffigen Laden eines Herrenschneiders; es trifft sich gut, dass dort neben Schneidermeister Joachim Bißmeier auch Stammkunde Josef Hader gerade anwesend ist. Jetzt könnte es eigentlich losgehen - es müsste bloß noch geklärt werden, was genau eigentlich losgehen soll. Eine Komödie oder eine Tragödie? Ein Autorenfilm oder ein Genre-Thriller?

Für eine Komödie ist das Kammerspiel entschieden zu unlustig, für einen Thriller fehlt es an Spannung: Die Düringer-Figur ist von Anfang an zu sympathisch, als dass von ihr Gefahr ausgehen könnte. Bleiben die (in Locarno prämierten) schauspielerischen Leistungen: Der Deutsche Bißmeier ist von der Leopoldstadt ein paar hundert Kilometer weit entfernt und hört sich an wie ein Burgschauspieler in einem Schnitzler-Stück; Hader trägt einmal mehr einen äußerst unvorteilhaften Bart und flüchtet vor einer hoffnungslos überzeichneten Figur in die Outrage; am überzeugendsten ist noch Düringers Performance - der fremde Text und ein fremder Regisseur tun ihm sichtlich gut. Es wäre ungerecht, den "Überfall" als Kabarettfilm zu bezeichnen. Er ist einfach so misslungen.


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