Heimatadresse: Gegenwelt

Porträt. Seit zehn Jahren bereits tingelt die Karawane des "Ersten Wiener Lesetheaters und Zweiten Stegreiftheaters" durch die Stadt. Stets im Mittelpunkt dabei: der freundliche Koloss Rolf Schwendter.

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 39/00 vom 27.09.2000

Rolf Schwendter schaut genauso aus wie Rolf Schwendter. Da mögen Feste wie das zehnjährige Jubiläum des "Ersten Wiener Lesetheaters und Zweiten Stegreiftheaters" groß begangen werden, die allermeisten der rund 70 Teilnehmer in noblem Schwarz erscheinen und in ihrem Vortrag feierlich mit Selbstverfasstem brillieren, stocken oder stammeln - Schwendter bleibt Schwendter. Die Hemdzipfel schauen aus der behelfsmäßig über dem fülligen Bauch zusammengebundenen Hose heraus, die Haare sind auch am Abend noch bettfrisch verwirbelt. Die Latschen an den Füßen. Die Taschen und Billa-Säcke. Die DIN-A5-Notizhefte. Rote, lila, grüne, blaue, schwarze Schreiber. Die Fingerspitzen vom Nikotin gelb. Der Bart wuchert um das Kinn herum. Hellwache blaue Augen in einem Berg von einem Menschen. Die Tasse Kaffee und das Glas Wasser vor sich auf dem Tisch. Schwendter sitzt im Cafe Siebenstern vor der Lesebühne, er moderiert und dirigiert die Teilnehmer nach einem genau festgelegten Ablaufplan, im fusselbärtigen


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