Andeutungen von Liebe

HONGKONG In seinem Melodram "In the Mood for Love" tauscht Wong Kar-wai expressive Effekte gegen elegante Melancholie.

Extra | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Schluss mit der MTV-Ästhetik: Wong Kar-wai ist gereift!", wird es heißen. Klar, der Hype um den Weitwinkel-Look Made in Honkong hat sich mit dessen exzessiver Nachahmung durch die Werbe- und Musikclip-Industrie irgendwann erschöpft. Und wer will sich schon gerne einem - wenn auch selbst kreierten - Trend von gestern, unterwerfen. Doch die melancholisch-schöne Andersartigkeit von Wongs neuem Film "In the Mood for Love" ("Huayang nianhua") lässt sich nicht einfach durch modischen Überdruss erklären. Die filmischen Farb- und Tempowechsel, Markenzeichen von Wongs größten Erfolgen "Chunking Express" (1994) und "Fallen Angels" (1995), sind reduziert, Handkamera und vor allem Weitwinkelobjektiv werden kaum verwendet. Sie alle waren Werkzeuge, um Bewegung abzubilden. In "In the Mood for Love" geht es aber um den Stillstand, um das Eingeschlossensein zwischen täglicher Routine und gesellschaftlichen Konventionen. Und, wie so oft bei Wong Kar-wai, um die Unfähigkeit, Liebe auszudrücken.


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