Du bist nie allein!

BIG BROTHER Während die Fernsehanstalten neuerlich Freiwillige in Containerklausur schicken, stellen Harun Farocki und Benoit Dervaux zwei äußerst unterschiedliche Auseinandersetzungen mit institutionellen Einschließungsmilieus vor.

Extra | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Ein Mausklick. Das blas-se, zitternde Videobild zeigt den schematischen Grundriss eines Raumes. Punkte bewegen sich wie viele gefräßige Pacmans durch einen elektronischen Hindernisparcours. Ein Schriftinsert schafft Klarheit. "Das ist ein Supermarkt. Jeder dieser Punkte repräsentiert einen Kunden." Ein zweites Bildfenster, mit einem ähnlichen Szenario, öffnet sich. "Das ist ein Gefängnis." Wieder Pacman. "Klicken Sie einen beliebigen Punkt und erfahren Sie den Namen des Gefangenen." Harun Farockis Video "I Thought I Was Seeing Convicts" demonstriert kühl und didaktisch Technologien der elektronischen Überwachung und Kontrolle im modernen Strafvollzug. Identität. Beschleunigung. Verlangsamung, und die Ausschaltung des Zufalls: Das allsehende elektronische Auge der Überwachungskamera organisiert den Alltag der Häftlinge und der Shopper aus gottgleicher, körperloser Distanz.

"I Thought I Was Seeing Convicts" setzt sein Setting einer (Video-)Doppelprojektion konsequent in Homologie

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