KURZFILMPAKET

"One Piece!"

Extra | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Ich sehe was, das du nicht siehst! - Ein junges Paar lästert über den Körpergeruch der Mitbewohnerin: Die Gemeinte steht unbemerkt in einer Zimmerecke und hört mit. Ein gestürzter Radfahrer will sich nicht aufhelfen lassen: Sein Körper verdeckt einen Stapel Pornomagazine. Ein Mädchen betritt ihren verwüsteten Wohnraum: Während sie telefoniert, sehen wir den Einbrecher im Wandschrank. "One Piece!" lautet der Sammeltitel für 14 Kurzfilme der japanischen Jung-Regisseure Shinobu Yaguchi und Takuji Suzuki, die mit spielerischem Minimalismus von zwischenmenschlichen Unfallsituationen erzählen.

"Home-Video - kein Zoom, kein Schwenk, kein Schnitt oder nachträglich hinzugefügter Sound - eine Szene, eine Einstellung - Supertolle Kleinformat-Filme! One-Piece!-Manifest!", heißt es im Vorspann. Doch die Szenen sind mehr als lauter kleine Dogma-Parodien. "One Piece!" spielt gezielt mit der Enge japanischer Wohnräume, lässt die Miniappartements zur Guckkastenbühne, die Kamera zum heimlichen Beobachter am Fenster werden. Es geht ums Sehen und Gesehenwerden. Die Pointen beruhen oft auf der Tatsache, dass die Kamera - trotz ihrer Starre - mehr sieht als die Protagonisten.

Eine junge Frau, die sich darauf freut, den Mädchenschwarm aus Schultagen zu heiraten, lacht in die Kamera. Hinter ihrem Rücken hat die neidische Freundin den Ziegelstein zum Schlag erhoben. Schnitt. Nächster Film.

MAYA McKECHNEAY Stadtkino: Di, 24.10., 15.30 Uhr (OmenglU)


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