Ein schöner Traum

Ausland. Qualvoll lange oder überraschend schnell: Wie rasch zerfällt Slobodan Milosevic's Macht?

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Es klingt wie ein schöner Traum: Vier verlorene Kriege mit Zehntausenden Toten hat der blutbefleckte Diktator überlebt. Selbst die Herausforderung der größten Militärmacht der Erde hat seine Position nicht erschüttert. Weil sein Apparat es aber unter Aufbietung aller nur erdenklichen Tricks und Fälschungen nicht schaffte, aus einer Niederlage an den Urnen einen Sieg zu machen, tritt er ab. Serbien, die Schlüsselnation des von vielen verwurzelten Todfeindschaften zerrissenen Balkans, überwindet den nationalistischen Wahn der letzten Jahre und gliedert sich ein in ein Europa der westlichen Demokratien.

Der Traum ist in Belgrad zurzeit ebenso verbreitet wie in Brüssel, Washington oder Paris. In den Tagen nach dem Wahlsieg des Oppositionsführers Vojislav Kostunica lancierten westliche Geheimdienste die Nachricht von einem Amnestieangebot der NATO an die Adresse Milosevic's, wäre der bereit, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Ehefrau Mira Markovic' sei bereits auf Wohnungssuche in Griechenland


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