Globale Gladiatoren

Musik. Ihr letztes Album "OK Computer" wurde von der Rockkritik als das herausragende Meisterwerk der Neunziger abgefeiert. Jetzt, nach drei Jahren, kehren Radiohead mit einer Platte zurück, die ihre alten Affinitäten zum Weltschmerz mit einer neuen Vorliebe für Elektronik vereint.

Robert Rotifer | Kultur | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Am Ersten Mai dieses Jahres stand Ed O'Brien, Gitarrist der etablierten Rockband Radiohead, in der Londoner Regierungsmeile Whitehall. Rund um ihn Zehntausende Menschen, die so wie er gekommen waren, um einen fröhlichen "Karneval gegen das Kapital" zu begehen. Demonstranten zerstörten eine McDonald's-Filiale, eine Statue Churchills und ein Kriegerdenkmal wurden mit roter Farbe beschmiert, und die Polizei räumte das ganze Viertel.

O'Brien war sich natürlich des Widerspruchs bewusst, dass sich der Protest, an dem er da teilnahm, nicht zuletzt auch gegen Globalisierunggewinnler wie ihn selbst richtete. Schließlich stehen Radiohead im Dienst von EMI/Time Warner/AOL, einem der größten Multis überhaupt. Unter den Mitgliedern der Band war in den Monaten zuvor Naomi Kleins Buch "No Logo" zirkuliert, das nicht nur die politischen Zusammenhänge der Welt da draußen auf den Punkt zu bringen schien, sondern indirekt auch die Rolle der eigenen Band innerhalb der globalen Unterhaltungsmaschine

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