Schönberg vs. Puccini 1:1

Musiktheater. Absurd oder genial? Die Staatsoper kombinierte Arnold Schönbergs Oratorium-Fragment "Die Jakobsleiter" mit Giacomo Puccinis Opera buffa "Gianni Schicchi".

Jürg Stenzl | Kultur | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Ungewöhnliche Weisheiten werden mobilisiert: Auch das wirkliche Leben bestehe aus Tragödie und Farce, heißt es aus der Staatsoper, und das rechtfertige die Verbindung des Oratorium-Fragments "Die Jakobsleiter" mit der Opera buffa "Gianni Schicchi", der "Weltanschauungsmusik" Arnold Schönbergs mit Giacomo Puccinis Komödie um einen Testamentsbetrüger. Außerdem seien beide Werke gleichzeitig, 1917, entstanden. Im Übrigen: Die Postmoderne habe gelehrt, dass gerade Unvereinbares zu neuen Einsichten führe. So erscheint es legitim, die esoterische Geschichte einer Himmelfahrt inklusive Sanktionen vom Erzengel Gabriel mit einer Posse für Berlusconis Medien zu verknüpfen.

Der einheitliche Bühnenraum von Regisseur und Dekorateur Marco Arturo Marelli aber schafft keine Geschlossenheit, trotz derselben Treppen und der gemeinsamen Metapher des Koffers: Koffer in den Händen jener, die auf einem Treppenrund zu himmlischer Erlösung drängen, ein Riesenkoffer als Heim des Erblassers, um das

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