Gratzer ermittelt

Theater. Zwei Fotografen und eine Leiche im Eis: Das Schauspielhaus macht sich mit dem "Schaufenster" auf die Suche nach neuen österreichischen Autoren.

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Zwei Amateurfotografen machen einen Spaziergang am winterlichen See. Erst zu Hause, beim Vergrößern ihrer Fotos, bemerken die beiden, dass die Aufnahmen möglicherweise ein Verbrechen zeigen: Stößt da nicht ein Mann eine Frau ins kalte Wasser? Es lässt ihnen keine Ruhe, sie müssen zurück an den See. Und wirklich, dort finden sie eine weibliche Leiche, eingeschlossen ins Eis, nur der Arm ragt heraus. Ein Plot wie in Antonionis Film "Blow up".

"Nachspiel", das Erstlingswerk des zurzeit als Schauspieler in Bregenz arbeitenden Raoul Biltgen, mit dem das Wiener Schauspielhaus seine neue Theaterschiene "Schaufenster" eröffnet hat, legt sein Hauptaugenmerk allerdings nicht auf die Frage nach der Verlässlichkeit unserer Wahrnehmung; das Zweipersonenstück knüpft ans absurde Theater an, stellt ein ungleiches Männerpaar beim Polizeiverhör vor. Der eine ist klein (Simon Hatzl), redet ohne Ende und verstrickt sich dabei in Abstrusitäten und Kalauer; der andere ist groß (Horst Heiß), schweigt


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