Streifenweise

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Dass es sich Diego Donnhofer mit "The Virgin", seinemersten Kinospielfilm, einfach gemacht hätte, lässt sich nicht behaupten. John Cale, dem er in der Hotellobby auflauerte und das Drehbuch in die Hand drückte, konnte sofort überredet werden, die Musik zu machen, der Film selbst brauchte vier Jahre und Produktionsfirmen bis zu seiner Realisierung. Donnhofer drehte in Griechenland und Kairo (was aufgrund der harten ägyptischen Zensur nicht wirklich lustig ist), wo Konrad (Joey Kern) und Nina (Kirsty Hinchcliffe) als seltsam auffällige blonde beauties all das tun, was junge Menschen ihres Aussehen und Alters nicht nötig haben sollten: Sie prostituieren sich, hausen in heruntergekommenen Hotels, nehmen wahllos Drogen. Die besessene Distanz, die vor allem Konrad zu seiner Umwelt hält, erfährt durch den Filter von Cales elektronischer Pseudo-Ethnomusik, eine Vorliebe für Totalen und Halbtotalen und eine elliptische, antivoyeuristische Erzählweise ihre akustische, visuelle und dramaturgische Umsetzung. Ob das bleierne Spiel der beiden Hauptdarsteller, die ihre Konversationssätze abliefern, als hätten sie sich diese soeben in einem amerikanischen Trash-Roman angelesen, Teil des ästhetischen Konzepts ist, lässt sich schwer sagen. Auch Konrad und Nina scheinen ihr selbst auferlegtes survival training aus konzeptuellen Gründen zu unternehmen, und mehr als ein Hauch von existenzialistischem Thesenfilm liegt über "The Virgin", dessen keineswegs landestypische Risikofreudigkeit über seine Defizite nicht hinwegtäuschen kann. Nach kurzem Zwischenstopp in der Wohlstandshölle meint Konrad: "Let's get out of here." Wohin dieser Film aufbrechen will, ist schwer zu sagen.


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