Aufgeblättert

Kultur | Martin Amanshauser | aus FALTER 40/00 vom 04.10.2000

Im Windschatten seines Romanerstlings ("Glücksfall", 1999) hat Werner Schandor nun ein Gedichtheftchen nachgeschoben, in dem er Wortmaterial aus drei Bereichen gesampelt hat: aus Tageszeitungen, aus der Bibel und aus Fünfzigerjahre-Lyrik. "plastik. masken. kryptichon" ist ein Sammelsurium aus den Reichen der Bürokratie, Theokratie und Poesie mit teilweise verblüffenden Resultaten: Gedichte für Leser, die wissen wollen, worauf die Heilige Schrift in (Alb-)Träumen hinausläuft bzw. in welche Richtung unser innerer Dichter tendiert ("der weg in ihren schoss / genügt ihrer befähigung / zu blumensträussen / und fruchtstücken"). Sprache wird hier verquer zusammengefügt - eine etwas monotone, aber sinnstiftende Avantgarde ohne Bauchweh bis zum Enddarm.

Geniale Unbeholfenheit macht der talentierte Daniel Wisser in der ersten Ausgabe seiner Zeitschrift "Der Pudel" zum System, einem Lyrikprojekt mit kollektiver Autorenschaft. Expressionistisches in der Tradition von Jakob van Hoddis und


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