Standpunkt: Strassers Wende?

Politik | aus FALTER 41/00 vom 11.10.2000

Es dürfen wieder mehr ins Land:Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) will die Quote für die Zuwanderung nächstes Jahr von insgesamt 8000 auf 9403 anheben. Eine unerwartete Wende in der jahrelang durch Restriktionen geprägten Ausländerpolitik? Es ist zumindest wohltuend, dass ein Innenminister endlich mit dem ewigen Mythos "die Ausländer schnappen uns die Arbeitsplätze weg" aufräumt. Vorgänger Karl Schlögl (SPÖ) hatte das nicht getan. Seinem eigenen Leitspruch "Integration vor Neuzuwanderung" wird Strasser allerdings nicht gerecht. Das ist einerseits gut, weil die pauschalen Vorbehalte gegenüber Neuzuwanderung angesichts des absehbaren Arbeitskräftemangels töricht sind. Schlecht ist andererseits, dass Strasser das Ziel der Integration nur ungenügend berücksichtigt. Das Quoten-Plus ergibt sich nämlich durch den Zuwachs an so genannten Schlüsselkräften für die Wirtschaft. Die Zahl für die allgemeine Zuwanderunghingegen wird sogar sinken. Für den Familiennachzug stehen deshalb nur 5440 Plätze zur Verfügung - zu wenig, um den "Rucksack" von derzeit 11.643 Wartenden abzubauen.Integration wird dadurch vielen Ausländern in Österreich extra schwer gemacht. Denn es fällt nicht leicht, sich "zu Hause" zu fühlen, wenn die Familie Hunderte Kilometer weit weg wohnt.G. J.


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