Sissi schleicht

Viennale. Nach dem Erfolg von "Lola rennt" schlägt Tom Tykwer mit seinem neuen Film "Der Krieger und die Kaiserin" einen Haken.

Kultur | Ralph Eue | aus FALTER 41/00 vom 11.10.2000

Nein, Lola rennt nicht weiter. Obwohl Lola bzw. Franka Potente wieder mitspielt, und obwohl man mit dem, was "Lola rennt" angezettelt hat, gut und gern wenigstens ein Sequel hätte herausschlagen können.

Stattdessen rennt Bodo. Zumindest zu Beginn des neuen Films von Tom Tykwer. Bodo, das ist Benno Fürmann, und er läuft weg; während Lola den ganzen Film über zu Manni hin rannte. Lola war die Retterin. Bodo ist auf der Flucht. Vielen anderen hätte das sicher auch genügt, um zu sagen: Ich habe jetzt einen anderen Weg eingeschlagen. Es wäre ein kommerziell vernünftiger Schritt gewesen. Im Rahmen solcher Denkweise ist "Der Krieger und die Kaiserin" ein erstaunlich unvernünftiger Film.

Bodo also ist der Krieger. Die Kaiserin (Franka Potente) heißt Simone. In der Psychiatrie, in der sie arbeitet, wird sie Sissi genannt. Ihre Existenzweise gibt dem Film sein Tempo vor: Sissi ist langsam, kindlich, unschuldig, tapsig; jemand, dessen Verbindung zwischen Kopf und Körper nicht ganz intakt


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