Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 41/00 vom 11.10.2000

Die Welt ist schlecht. Und nirgendwo schaut man sich ihre Schlechtigkeit so gern an wie im Theater, wo die Verzweiflung greifbar wird und die Wut über die Wirklichkeit immer wieder in eine Moral mündet. Dieser Tage gibt es gleich zwei actiongeladene "Zorn-und-Katharsis-Stücke" zu sehen, die richtig Spaß machen. Im dietheater Konzerthaus zeigt Margit Mezgolich "Paniertes", ein Stück über ein stinknormales Dorf in Österreich. Den Rahmen der Handlung bildet ein Familienessen, natürlich gibt es Schnitzel. Die Erzählung wird in Pulp-Fiction-Manier aufgebrochen, die bewährten Stilmittel des L.U.S.Theaters - ein einfach-effizientes Bühnenbild, aufgedrehte Situationskomik - kommen zum Einsatz, in rasendem Tempo werden die Szenen aneinander gereiht, und es kommt immer schlimmer: Die biederen Dörfler legen vor einer Fremden nach und nach alle Hemmungen ab, lassen sie an ihren "Geheimnissen" teilhaben - unter den Figuren finden sich ein Päderast, eine Kleptomanin, zwei Ehebrecher und ein Alkoholiker -, um die Fremde dann, weil sie zu viel gesehen hat, zunächst auszugrenzen und schließlich hinzurichten.

Am Volkstheater-Plafond zeigt der junge Regisseur Martin Schulze "Disco-Pigs", das Erfolgsstück des 30-jährigen irischen Autors Enda Walsh, eine Variation auf die Bonnie-und-Clyde-Geschichte: "Pig" und "Runt" sind ein "Monsterpärchen ohne Aussichten" (Theater heute), voll wilder Zärtlichkeit füreinander und brutal gegen den Rest der Welt -"wir zwo killn diese Stadt". An ihrem 17. Geburtstag spielen sie sich zum "höppi böfdä" mit voller Power und Bierschaum vorm Mund noch einmal ihre gemeinsame Geschichte vor, abgeschottet von den verachteten und hässlichen Spießern durch ihre ganz private Kunstsprache, die sie zu etwas Besonderem macht. Doch die Beschwörung der Vergangenheit funktioniert nicht mehr, beim finalen Showdown im "Disco-Palast" zerbricht die Freundschaft, und sie werden in eine Wirklichkeit geworfen, die ihnen nichts zu bieten hat: back to normal.


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