Es soll uns eine Leere sein

Theater. Heute Abend wird geschmiert: "Mit Leidenschaften ist nicht zu spaßen!" nach Luigi Pirandello im Burgtheater.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 41/00 vom 11.10.2000

Der Typ vor mir soll jetzt bitte endlich die Schnauze halten. Pausenlos unterhält sich der Kerl in Zimmerlautstärke mit seiner Begleiterin, und wenn auf der Bühne gesungen wird, pfeift er ungeniert mit. Aber bevor ich grob werde, fällt mir ein, was heute Abend gespielt wird: "Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt"! Pirandello! Alles klar: Der Störenfried ist mit großer Wahrscheinlichkeit gar kein Zuschauer, sondern Schauspieler, und der Kritiker würde sich ganz schön blamieren, wenn er jetzt die Contenance verlöre.

In "Questa sera si recita a soggetto", uraufgeführt 1930 als letzter Teil von Pirandellos "Theater-auf-dem-Theater"-Trilogie, suchen nicht sechs Personen einen Autor, sondern zwölf Personen ein Stück: Unter Anleitung von Regisseur Dr. Hinkfuß versuchen sechs Schauspielerinnen und sechs Schauspieler, eine Novelle von Pirandello ("Leonore, gedenke mein!") auf die Bühne zu bringen - und zwar im Stegreif. Tatsächlich ist von Improvisation keine Spur; wir haben


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