Aufgeblättert

Kultur | Stefan Ender | aus FALTER 41/00 vom 11.10.2000

Eine CD mit Liedern in einer Kolumne, die sich "Aufgeblättert" nennt? Schon seltsam, zugegeben. Aber immerhin handelt es sich ja um Lieder des großen Kolumnisten Wiglaf Droste, und die zum Teil eigenhändig verfassten Liedtexte auf "Für immer" sind wirklich von hoher Qualität. Bissig, witzig, zynisch, sarkastisch werden hier u. a. die drei großen Themenfelder Liebe, Rauchen und Nana Mouskouri abgehandelt - so soll, so muss es sein. (Kurzer Einschub: Ich kenne Droste hauptsächlich von seiner Kolumne in Max, dem Monatsmagazin mit den vielen schönen Bildern. Zurück zur CD: Unbedingt muss noch kritisch festgestellt werden, dass Droste hier gesangsstimmlich frappant an den frühen Mike Krüger erinnert, was aber nicht allzu schlimm ist, da sowohl Liedmaterial (darunter Eigenkompositionen wie auch Coverversionen berühmter amerikanischer Songs) wie auch Arrangements und Begleitkombo durchwegs überzeugen. Die Texte sowieso. Highlights: die eingedeutschte Version von "Hotel California" und eine grenzgeniale Juliane-Werding-Verarsche.

Max Goldt kennt jeder, mag jeder. Der Haffmans Verlag quetschte seinen schreibenden Goldt-Esel (haha!) zuletzt ja schon ein bisschen sehr aus; da gab es zuerst den Best-of-Kolumnen-Wälzer "Okay, Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine", worauf dann auch noch das Restliche-Texte-Substrat "Die Aschenbechergymnastik" folgte. Wo wir doch eh schon alle Bücher von Goldt zu Hause stehen haben! Jetzt gibt es dann also auch noch die Hör-CD zur "Aschenbechergymnastik". Ja.

Wiglaf Droste & Das Spardosen-Terzett: Für immer. München 2000 (Hörkunst bei Kunstmann). CD, ca. öS 218,-.

Max Goldt: Die Aschenbechergymnastik. München 2000 (Raben-Records im Heyne Hörbuch). 2 CDs, ca. öS 295,-.


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