Vor 20 Jahren im Falter

... artikulierte "Falter"-Redakteur Martin Kurz, in Aufregung versetzt durch einen "Wochenpresse"-Artikel, seinen Unmut über das österreichische Hochschulsystem.

Vorwort | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Unter dem Titel "Massenuniversität, studiert - frustriert", brachte die Wochenpresse Ende September eine Titelgeschichte, in der Hochschulprofessoren ihre niveaulosen und dumpfen Aussagen über die Probleme der Hochschulausbildung machen.

"Je voller die Unis, desto leerer die Köpfe" - diese Dummheit eines deutschen Professors nennt die Autorin Ruth Pauli "Bonmot", den vergreisenden Adam Wandruschka, der seine kindische "Vision von Analphabeten, der mit zwei Kreuzen unterschreibt, das erste steht für Doktor" - hähä - zum Besten geben darf, nennt sie "Wiens erfahrenen Historiker". Komarek, der sich seit Jahren mit den gleichen öden Phrasen zu profilieren versucht, wird schmeichelhaft "Provokateur" und "Realist" genannt, ganz so, als hätte er irgendetwas Neues oder gar Intelligentes erzählt.

Der Artikel ist nur als Teil einer seit Jahren in allen Medien geführten Kampagne gegen egalitären Hochschulzugang erwähnenswert. Diese Kampagne wird von Professoren, Standes- und Industrievertretern geführt.

Allen voran die Professoren, behaupten diese Leute immer wieder, dass Studentinnen und Studenten von Jahr zu Jahr vertrottelter, stumpfsinniger, lethargischer usw. würden. Begründet wird diese Behauptung mit dem inzwischen breiter gewordenen Hochschulzugang, was ganz absurd ist, wenn man bedenkt, dass nach wie vor hauptsächlich Bürgerkinder an der Universität studieren.

Den Professoren ist zuzustimmen, soweit sie feststellen, wie unhaltbar es sei, dass zu wenig Mittel für den Hochschulbetrieb zur Verfügung stünden. Während für - aber das ist schon richtig abgedroschen - Bundesheer, Polizei usw. genügend Gelder aufgebracht werden können, bleiben die Steigerungsraten für das Ausbildungswesen hinter den Erfordernissen zurück. Dabei ist es klarerweise keine ökonomische, sondern eine rein politische Frage, ob eine bessere Bildung, Ausbildung etc. größeren Teilen der Bevölkerung ermöglicht wird oder nicht.


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