Mölzers Märtyrer

Gericht. In Andreas Mölzers Zeitung wurde der jüdische Journalist Karl Pfeifer beschuldigt, auf einen inzwischen verstorbenen Politikwissenschaftler eine "Menschenhatz eröffnet" zu haben.

Politik | Gerald John | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Den Herrn Steinberger, kennt den wer?" Richter Bruno Weis schaut prüfend ins Publikum. Schweigen. "Na, warten wir noch ein bisserl", sagt Weis gelassen: "Ich geh vorläufig davon aus, dass es diesen Mann wirklich gibt. Vorläufig."

Nach ein paar Minuten trudelt zumindest der Anwalt des Gesuchten ein. Doch auch der weiß nicht, ob es Steinberger wirklich gibt. Der Verlag der Wochenzeitung Zur Zeit - Herausgeber und Chefredakteur ist Jörg Haiders Kulturberater Andreas Mölzer - hat ihn erst kurz vor dem Prozess mit der Rechtsvertretung betraut. Von dem mysteriösen Namen ist nur so viel bekannt, dass er Anfang Juni einen Zur-Zeit-Artikel mit dem Titel "Tödlicher Tugendterror" zeichnete, der sich mit dem Tod des Salzburger Politikwissenschaftlers Werner Pfeifenberger befasste. Im Text wird dem auch abgebildeten Wiener Journalisten Karl Pfeifer vorgeworfen, eine "Menschenhatz eröffnet" zu haben, "die in der Folge bis zum Tod des Gehetzten gehen sollte". Pfeifer klagte wegen übler Nachrede.


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