Lessing bleibt gelassen/Museum Judenplatz: Spuren suchen und sichern

Kultur | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Wenn das Mahnmal am Judenplatz am 25. Oktober, fast fünf Jahre nach dem Wettbewerb, tatsächlich enthüllt werden kann, ist das - neben wenigen Vertretern der Wiener Kulturpolitik - auch zwei Personen zu verdanken: Christian Jabornegg und Andras Palffy waren über ihren eigentlichen Auftrag als Architekten hinaus vor allem als Mediatoren des Projekts im Einsatz. Die Art, wie sie den Museumsräumen und den Ausgrabungen ebenso souverän wie schlicht Gestalt gegeben haben, mag als Verweis auf die unsichtbare Arbeit mit Behörden, Anrainern, Archäologen, Politikern und allen anderen (Eigen-)Interessenvertretern dienen.

In den neu geschaffenen Räumen des Misrachi-Hauses hat das "Museum Judenplatz" Quartier bezogen. Zu sehen sind hier neben den archäologischen Funden der mittelalterlichen Synagoge auch Darstellungen der mittelalterlichen Judenstadt; das Wiener Multimedia-Unternehmen Nofrontiere etwa hat sie in einjähriger Arbeit als Computeranimation wieder erstehen lassen. In einem anderen Raum des Museums hat das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes ein weiteres Memorial eingerichtet: eine computererfasste Liste der mehr als 60.000 österreichischen Opfer des Holocaust sowie begleitende Dokumente, Briefe und Fotos. Konkrete Erinnerungsarbeit, Spurensuche und -sicherung; weitergeforscht wird auch nach der Eröffnung des Museums.


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