Stadtrand: Behördenpflanzen

Stadtleben | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Unlängst musste ich bei einer Behörde in Deutschland anrufen. Nach dem Gespräch war ich ein paar Minuten lang leicht irritiert. Irgendetwas war anders, ungewohnt, nicht wie bei den üblichen Behördengesprächen. Nicht der Dialekt. Auch nicht, dass man statt "Klappe" "Durchwahl" sagte. Und auch nicht die Tatsache, dass man mich sofort und warteschleifenlos, ganz ohne Mozart-Gedudel, zur zuständigen Sachbearbeiterin durchstellte. Dann fiel es mir ein: Die Dame in Deutschland am anderen Ende der Leitung war nicht genervt. Im Gegenteil: Sie war richtig nett. Der Job schien ihr Spaß zu machen und zum krönenden Abschluss unseres Gesprächs wünschte sie sogar noch einen schönen Tag. Gibt es so was auch in Österreich? Gut gelaunte, auskunftsfreudige Menschen in Amtsleitungen? Ich zumindest habe bisher nur mundfaule Raunzer erlebt, die mir stets das Gefühl gaben, ihnen zur Last zu fallen. Dabei ist der telefonische Amtsbesuch hierzulande ja immer noch das kleinere Übel. Wenn man den Bürohengsten und -stuten nämlich zwischen ihren unlustigen kopierten Bürosprüchen und traurigen Behördenpflanzen persönlich begegnen muss, wird einem echt anders. Wie sieht es eigentlich so in österreichischen Call-Centern aus? C. W.


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