Gespräche mit Überlebenden

Schtetl. Eva Hoffman und Henryk Grynberg versuchen mit unterschiedlichen Mitteln "der entsetzlichen Komplexität" des Lebens im Schtetl gerecht zu werden.

Extra | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Schläfenlocken und Perücken, gefilte Fisch und Klezmermusik ... Das Schtetl, Inbegriff jüdischer Kultur in Osteuropa, wurde schon vor seiner Auslöschung durch die Shoah mit einem verklärenden Blick betrachtet - von Joseph Roth bis Marc Chagall. Doch Nostalgie vermag zwar zu trösten, trägt aber kaum zu einem besseren Verständnis von Vergangenheit und Gegenwart bei. Mit ihrem Buch "Im Schtetl. Die Welt der polnischen Juden" hat sich Eva Hoffman der Aufgabe verschrieben, keine heile Welt darzustellen, sondern der "entsetzlichen Komplexität", die Lebensumstände und Verhalten in diesem historischen und sozialen Umfeld bestimmt hat, gerecht zu werden - auch gegen vereinfachende Thesen a la Daniel Goldhagen.

Das Schtetl, dieses kleinstädtisch-dörfliche Nebeneinander von polnischen Bauern und jüdischen Händlern, "ländliche Form einer populistischen Theokratie" auf dem Weg in die Moderne, gilt ihr dabei als Paradigma eines "langen multikulturellen Experiments avant la lettre".

Tatsächlich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige