Eine Reise in den Terror

Polnische Erinnerungen. Aleksander Wats gesprochene Erinnerungen, die Teile des bewegtenund schmerzvollen Lebens eines Juden, Kommunisten und Christen dokumentieren, sind nun endlich auch in deutscher Übersetzung erschienen.

Extra | Martin Pollack | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Die Schelte vorweg: Dass es den Polenschwerpunkt bei der Frankfurter Buchmesse brauchte, damit dieses Werk einen deutschen Verlag fand, ist kein Ruhmesblatt für unseren Buchmarkt, eigentlich ist es ein Skandal. Aber seien wir froh, dass Aleksander Wats Erinnerungen, die 1977 in einem polnischen Exilverlag in London erschienen sind, endlich auf Deutsch vorliegen, hervorragend übersetzt von Esther Kinsky, mit ausführlichen Anmerkungen und Namenindex - was will man mehr?

Aleksander Wat wurde 1900 in Warschau geboren, in einer jüdischen Familie, die berühmte Gelehrte und Rabbiner hervorbrachte. Als Polen 1918 seine Unabhängigkeit wiedererlangte, war das für die polnische Literatur ein Schock, weil ihr damit ein wichtiges Thema abhanden kam, der heroische Freiheitskampf, der die Literatur so lange geprägt hatte. Für Wats Generation war nicht die Unabhängigkeit Polens wichtig, sondern "die allgemeine Katastrophe der Epoche, diese große Unbekannte, die wir vor uns hatten, und da wir


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