Der Erste Mai ist vorbei

Krakau. Michael Zeller und Adam Zagajewski begeben sich auf die Suche nach Spuren polnischer Geschichte - mit unterschiedlichem Erfolg.

Extra | Martin Droschke | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Polens Geschichte ist vom vergeblichen Ringen um die Würde des Einzelnen gezeichnet wie die Geschichte kaum eines anderen europäischen Landes. In den Krakau-Geschichten von Michael Zeller geht es um all das: um Polens Anteil am Erbe Europas; um Kopernikus und das Ende kirchlicher Allmacht; um die dreimalige Teilung des Landes; um das verzweifelte Konstrukt des Nationalstaates, einer vermeintlich menschenfreundlichen Alternative zu den Fürstenhäusern; um Auschwitz; um das leidvolle Kapitel der Vertreibung.

Noch als Kleinkind kam Michael Zeller von Breslau nach Deutschland. Und auch Adam Zagajewski wird aus Lemberg, das sich die Sowjetunion gerade einverleibt, in die hässliche Industriemetropole und Vertriebenen-Stadt Gleiwitzgespült. Zeller: "Es gibt ein russisches Sprichwort, das geht so: ,Das Huhn ist kein Vogel und Polen kein Ausland.'"

Adam Zagajewski ist heute einer der bedeutendsten Dichter polnischer Sprache. In Krakau hat er in den Sechziger- und Siebzigerjahren studiert und


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