Mama hat Depressionen

Jugendbuch. Lassen Sie sich vom Zielgruppen-Hinweis nicht abschrecken: Burghard Spinnens Roman "Belgische Riesen" ist eine wunderschöne Studie des jungfamiliären Juste Milieu.

Extra | Tobias Heyl | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Es gibt nur ganz wenige Bücher, die man mit zwölf Jahren genauso gern liest wie später als Erwachsener. Mark Twains "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn" zum Beispiel oder die Jugendromane Erich Kästners sind in einem bestimmten Alter einfach spannendes Lesefutter, aber sie sind auch noch spannend nach zwanzig Jahren, unabhängig vom - ohnehin aussichtslosen - Versuch, noch einmal das Lebensgefühl der frühen Jugendjahre heraufzubeschwören.

Burkhard Spinnen hat nun einen solchen Roman geschrieben, den man der zwölfjährigen Nichte aus der Reihenhaussiedlung ohne zu zögern auf den Weihnachtstisch wird legen können, bei dessen Lektüre aber auch der Onkel vollständig auf seine Kosten gekommen ist. Mutter und Vater Bantelmann haben gerade mit ihren Söhnen Konrad und Peter das neue Eigenheim in der eben fertig gestellten Dransfeld-Siedlung bezogen, Konrad macht sich auf die Suche nach Spielkameraden. Mädchen sind doof, so viel immerhin weiß man mit zehn oder elf Jahren von der Welt.


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