Entdeckung eines Europäers

Ungarn. Mit der Übersetzung seines Romans "Die Glut" ist der Ungar Sandor Marai (1900-1989) letztes Jahr posthum zum Bestsellerautor avanciert. Jetzt reichen gleich drei Verlage neue Übersetzungen nach - zum Teil in fragwürdigen Ausgaben.

Wendelin Schmidt-Dengler | Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Geboren 1900, im heutigen Kosice (Kaschau, Kassa), ist er sechs Jahre jünger als Joseph Roth, mit dem er gern verglichen wird und ein Jahr jünger als Ödön von Horvath, dem er auf den Fotos erstaunlich ähnlich sieht. Gestorben ist er 1989 im kalifornischen San Diego - es sei ein Unfall, sagen die einen, Selbstmord mit einer Schusswaffe die anderen. Die Wiederentdeckung Sandor Marais setzte zwar in Ungarn ein, entscheidend war aber die Aufnahme in Frankreich und vor allem in Italien. In Marai vermutete man den idealtypischen Repräsentanten des habsburgischen Mythos.

Im Vorjahr erschien bei Piper der Roman "Die Glut", der Appetit machen sollte; heuer riskieren drei Verlage gleich ein Menü mit mehreren Gängen: Zwei Romane ("Das Vermächtnis der Eszter", und "Bekenntnisse eines Bürgers"), Reisebilder aus Amerika ("Der Wind kommt vom Westen") und schließlich "Erinnerungen" sowie Tagebücher und Dokumente. Um es kurz zu machen: Es lohnt sich, diese Bücher zu lesen, und zwar alle. Wer

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