In Mutters Mundhöhle

Die liebe Familie. Michael Köhlmeiers Roman "Geh mit mir" zeigt überstandige Hippies auf der Familiencouch.

Extra | Susanne Schaber | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Schämen muss man sich für sie: der Vater, ein ständig bekiffter Alt-Achtundsechziger, der zu Hause rumhängt und in die Luft stiert; die Mutter, ein in die Jahre gekommenes Flower-Power-Girl, das ohne Bob Dylan, Velvet Underground und Neil Young in Depressionen verfällt und von LSD und Heroin zu Rohypnol und Schlehenlikör gewechselt hat. Mit solchen Eltern ist kein Staat zu machen. Wise Fink kann sichs nicht aussuchen. Was soll er tun? Sich eingraben? Den Kopf in den Sand stecken? Michael Köhlmeier blättert im Fotoalbum, kramt in gut verschlossenen Laden, fördert Erinnerungen zutage. Sein jüngster Roman, "Geh mit mir", führt ein Stück Familienleben vor. Alles fiktiv natürlich, klar, aber durchsetzt - so verrät der Klappentext - mit jenen Splittern aus des Autors Biografie, die schon in "Bleib über Nacht" zu finden waren.

"Wir sind anders als die anderen", bemerkt Wise. "Wir riechen anders als die anderen und sehen anders aus. Und haben keinen Beruf. Können nichts. Spielen


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