"Durchfall von Amerika"

Weltliteratur. Sabine Scholl hat einen postkolonialen Science-Fiction-Roman geschrieben, in dem die Latinos die Bevölkerungsmehrheit Amerikas stellen und die Männer ziemlich alt aussehen.

Bernhard Fetz | Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Am 31.1.1827 prägt Goethe in einem Gespräch mit seinem treuen Eckermann den Begriff Weltliteratur: "Nationalliteratur will jetzt nicht viel besagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder muss jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen." Die Neugeburt der - deutschen - Literatur aus einem universalen Geist könne nur gelingen, wenn "die Nationen die Verhältnisse aller gegen alle kennen lernen".

Der Weg von Weimar nach Chicago bzw. zu Sabine Scholl ist weit. Er führt von einem aufklärerisch humanistischen Literaturverständnis zur literarischen Bewältigung eines globalen Kriegs der Kulturen. Er führt vom Weimarer Dichterfürsten Goethe, der am Beginn nicht nur der industriellen Revolution, sondern auch einer Revolution der Kommunikationsmittel stand, zur polyglotten Schriftstellerin Sabine Scholl, deren literarischer Ort das Internet ist. Sabine Scholl schreibt Weltliteratur in einem neuen Sinn, der mit Goethes positivem Begriff einer Völkerverständigungsliteratur

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