Sand singt im fernen Land

Poetische Wüste. Raoul Schrott begibt sich in die Mitte der Welt und stößt dort auf sehr viel Sand: eine poetische und wissenschaftliche Herausforderung.

Extra | Helmut Gollner | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Raoul Schrott hat eine erlesene kleine Geschichte geschrieben, von Raoul Louper, dessen drei Frauen und exotischen Reisen; ein paar skizzenhafte Striche genügen ihm für sein Personal und ihr Schicksal (mir nicht); ein paar Körperlichkeiten und Bonmots zur Liebe. Man versteht, dass Louper für Frauen interessant ist, aber auch sie wissen nicht viel von ihm.

Das größere Thema aber ist der Sand. Deshalb hält sich Raoul gern in Ägypten auf, in der Sahara oder in China. Wüstensand: schon lange vor dem Auftreten des Menschen gerieben, daher mythischer Stoff, der dem Romantiker von der Ganzheit der Schöpfung erzählt, bevor sie vom Menschen zerfleddert wurde. Die Dünen singen. Das ist physikalisch verbürgt und poesietauglich wie das Rauschen des Meeres, das Stöhnen der Wale oder die Klänge der Äolsharfe. Die Physik reicht ja nur bis zur Logik des Naturgeschehens. Die große Sehnsucht der Raouls geht nach Musik; sie ermöglicht ein Verständnis, ja ein Einssein mit dem Ganzen jenseits


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