Des Igels längster Stachel

Kurzrezensionen. Über Romane von Walter Kappacher, Peter Zimmermann, einen Essay von Bettina Balaka und Gedichte von Helga Glantschnig.

Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Es ist vielleicht eine höhere Ironie, dass dieser an sich unironische Roman, der die "Silberpfeile" - also die berühmten, schnittigen Rennwagen der Dreißigerjahren - schon im Titel führt, ein so bedächtiges Erzähltempo hat und nicht wirklich ins Ziel kommt. Und das ist durchaus eine ästhetische Qualität von Walter Kappachers Buch, dessen Stoff unter dem Stichwort "Vergangenheitsbewältigung" rubriziert werden darf: die ideologische und handfest technische Bedeutung des Rennsports für die Nazis; die erst in den Achtzigerjahrenerforschte Geschichte des Werkes Schlier, in dem auf dem Areal der Brauerei Zipf und unter Einsatz von KZ-Häftlingen aus Mauthausen an der Entwicklung der V2-Rakete gearbeitet wurde; das offensive Beschweigen dieses dunklen Kapitels in der Nachkriegszeit.

Auf all diese Zusammenhänge stößt der Icherzähler, ein junger Rennsportjournalist, der im Zuge seiner Recherchen über einen italienischen Grand-Prix-Fahrer in einem Salzburger Pensionistenheim den 85-jährigen


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