Marlboro-Cowboy vs. Camel-Mann

Werbehelden. Ein neues Nachschlagewerk will uns die Reklamesujets aus vergangenen Jahrzehnten zurück ins Gedächtnis rufen. Fragt sich nur wozu.


Peter Iwaniewicz
Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Die unkritische Ausbeutung der Siebzigerjahre-Romantik scheint noch lange nicht beendet zu sein. Eine weitere Publikation im Sog des "Wickie, Slime und Paiper"-Booms feiert "unsere Reklamehelden" ab und legt mit diesem Untertitel auch gleich das inhaltliche Programm offen: Helden sind sie geworden, jene damals anonymen Darsteller, die seit den Sechzigerjahren unsere Wohn- und Fernsehzimmer bevölkern. Als Identifikationsfiguren und Symbole der gesellschaftlichen Marschrichtung putzen, rauchen, trinken und husten uns die verschiedenen Werbefiguren seit bald einem halben Jahrhundert allgegenwärtig etwas vor.

Klementine, die rüstige deutsche Trümmerfrau, trommelte jeden Abend ihren Schlachtruf "Porentief rein" in die Hausfrauenköpfe und konfrontierte die Proponenten des Wirtschaftswachstums mit der existenziellen Frage: sauber oder rein? Der Marlboro-Cowboy ritt gegen den marschierenden Camel-Mann an und versandte sublime Botschaften an die Arbeiterklasse: Fühlst du dich eher als Working-Class-Hero

  394 Wörter       2 Minuten
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