Am Busen der Natur?

Biologie. Der kalifornischen Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy gelingt in ihrer groß angelegten Studie "Mutter Natur" das scheinbar Unmögliche: eine Aussöhnung der Soziobiologie mit dem Feminismus.

Franz Gutsch | Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Goldhamster sind putzige Tierchen. Goldhamstermütter ganz besonders. Brav wie sie sind, bauen sie ein gemütliches Nest, lecken ihre Jungen sauber, beschützen und pflegen sie. Eine Goldhamstermutter scheint wahrlich die Inkarnation aller konservativen Vorstellungen von Mütterlichkeit zu sein: Den ganzen Tag umbalgt sie ein Haufen Junghamster - sie erduldet alles: "Die Mutterliebe stellt keine Bedingungen, sie ist allbeschützend und allumfassend" (Erich Fromm).

Werden jedoch die Nahrungsreserven knapper, wird die fürsorgende Goldhamstermutter ein paar ihrer Kinder auffressen und so ihre Wurfgröße an die Umweltbedingungen anpassen. Womit wir aus dem Bereich der Naturidylle bzw. konservativer Familienpolitik in die Soziobiologie überwechseln und hiermit ins Zentrum des Buches von Sarah Blaffer Hrdy.

Die kalifornische Biologin - emeritierte Professorin für Anthropologie an der University of California - hat sich ihr Leben lang mit Mutterschaft befasst. Ergebnis ihrer eingehenden Forschungen

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