Delegierter Genuss

Medientheorie. Robert Pfaller macht den Liebhabern von Mitmachspielen wenig Hoffnung: Was unsere Alltagskultur prägt, sei nicht die Ära der Interaktivität, sondern der Interpassivität.

Extra | Vitus H.Weh | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Eine der erstaunlichsten Erfindungen heutiger Fernsehkultur ist das "canned laughter". Bekannt ist es vor allem aus amerikanische Sitcoms: Nach jedem mäßig witzigen Dialog gurgelt dort prompt dieses eigenartige "Dosengelächter" hervor. Ich persönlich war lange der Meinung, es hätte den Zweck, erstens die Fadheit der Pointen zu überspielen, zweitens nachträglich zu signalisieren, dass es eben lustig war und drittens zum Mitlachen zu animieren.

Dann aber habe ich Robert Pfallers "Studien über delegiertes Genießen" gelesen. Rund ein Dutzend Autoren hat der Philosoph darin über den von ihm geprägten Begriff der "Interpassivität" nachdenken lassen. Und Slavoj Zizek kommt dabei auch auf das "canned laughter" zu sprechen. Zizeks verblüffende Erkenntnis: Von Mitlachen kann keine Rede sein. Vielmehr lachen diese Komödien über sich selbst und ersparen damit den Zuschauern, ihrerseits in Heiterkeit auszubrechen.

Die paradoxe Logik besteht darin, dass es für den Zuschauer ökonomischer


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