Selbstdichter und Vorausdenker

Philosophie. Friedrich Nietzsches 100. Todestag liegt schon wieder einige Monate zurück. Die beiden neuen Bücher von Rüdiger Safranski und Konrad Paul Liessmann sind es immer noch wert, empfohlen zu werden.

Leopold Federmair | Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Franz Schuh hat Recht. Bei so vielschichtigen Büchern kann der Rezensent nicht viel mehr tun, als die eine oder andere Spur zu verfolgen. So geht es ihm mit Rüdiger Safranskis neuer Nietzsche-Biografie und ebenso mit Konrad Paul Liessmanns Darstellung der "schwarzen Seiten des Denkens", die sich bei Nietzsche auf spektakuläre Weise häufen.

Schon eher sieht sich der Rezensent imstande, eine Rezension zu rezensieren und ein Gespräch zu besprechen. Franz Schuh fragt sich, wie der Untertitel von Safranskis Nietzsche-Buch, "Biografie eines Denkens", denn gemeint sei, und er gibt eine mögliche Antwort: Leben und Denken sind bei Nietzsche so eng verschränkt, dass der Biograf gar nicht umhin kann, beide ständig zusammenzusehen. Eines der wiederkehrenden Denkbilder bei Nietzsche besagt, dass das Individuum sein eigenes Leben ausspinnt, herstellt, modelliert. "Autopoiesis", Selbstdichtung, diesen Begriff hat Peter Sloterdijk einst in die Interpretationsschlacht um Nietzsche geworfen, und Safranski

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