Armut als Schande

Sozialgeschichte. Der Sozialhistoriker Robert Jütte hat eine umfassende Studie über die Armut in der europäischen Neuzeit geschrieben - und zeigt erstaunliche Kontinuitäten auf.

Extra | Ulrike Baureithel | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Würdige und unwürdige Arme. Mit diesem Begriffspaar unterschied man ab dem 16. Jahrhundert zwischen jenen, die aufgrund von Krankheit oder äußeren Umständen unschuldig in ihre missliche Situation geraten waren. Und jenen anderen, unwürdigen, die als arbeitsfähige "Bettler oder Beutelschneider" wahrgenommen und disqualifiziert wurden. Deren brachliegende Arbeitskraft sollte von nun an genutzt werden - und so begannen kirchliche und staatliche Vertreter im 17. Jahrhundert, die arbeitsfähigen Armen in Arbeitshäuser und ähnlichen Einrichtungen zu internieren, um sie zu geregelter Beschäftigung zu "erziehen" und auszubeuten.

Was bei der Lektüre von Robert Jüttes Sozialgeschichte der Armut am meisten frappiert, sind die historischen Kontinuitäten: Mag die Armut in der Frühen Neuzeit auch ein anderes Gesicht gezeigt haben, so weisen die Typologien, die Bedingungen und auch die Lösungsstrategien überraschende Übereinstimmungen auf. Ebenso wie heute waren es zwischen dem 15. und


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