Die Grenzen des Staates

Geschichte. Alles ist historisch geworden, so auch die Schubhaft, der Pass und der Fremde. Ein voluminöser Sammelband über die Staatswerdung der österreichischen Monarchie führt das historisch Konstruierte von Grenzen und nationalen Identitäten vor Augen.

Extra | Oliver Hochadel | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Der 7. Juli 1822 ist kein guter Tag für Josef Weibel. Wegen "Bettelns ohne Ausweisung" wird der 75-jährige "Zimmergesell" in Perchtoldsdorf aufgegriffen. Er gibt Riegl am Bodensee als Geburtsort an und soll dahin abgeschoben werden. Da aber an der bayerischen Grenze nicht nachgewiesen werden kann, dass Weibel tatsächlich aus Riegl stammt, wird er nach Perchtoldsdorf zurückgeschoben und am 10. August wieder freigelassen.

Bürokratische Durchdringung - 41 verschiedene Amtsstellen finden sich auf Weibels Schubpass vermerkt - und Effizienz entsprechen einander nicht unbedingt. Das Schubsystem funktioniert in diesem Fall mit der Präzision eines Uhrwerks, ohne die Probleme, die es gleichermaßen erkennt wie produziert, lösen zu können.

Die Herausbildung des modernen Staates, seiner Verwaltung, die Formierung eines Staatsvolks und dessen Kontrolle ist immer auch die Geschichte eines partiellen oder temporären Scheiterns oder zumindest vielfältiger Schwierigkeiten und Kompromisse.

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