Franz Liszt Superstar

Musikwissenschaft. In seiner neuen Liszt-Biografie präsentiert Manfred Wagner den exzentrischen Klaviervirtuosen als Medium der sich formierenden Kulturindustrie.

Siegfried Mattl | Extra | aus FALTER 42/00 vom 18.10.2000

Seit Beginn der Neunzigerjahre fand auch die akademische Musikwissenschaft über den engeren Kreis ihrer Wissensgemeinschaft hinaus Anschluss an die Fundamentalzwistigkeiten der ästhetischen Debatte. Über Begriffe wie Identität, Repräsentation und Differenz gelangten zum einen (post)moderne Diskursverzweigungen in eine zuvor eher hermetische Stil-Reflexion. Zum anderen zerstörten plötzlich Gender-basierte Lesarten oder Genre-Dekonstruktionen die Sicherheiten des Denkens in Traditionen und legten radikale Anbindungen an Zeitumstände nahe.

Wie immer verbinden sich solche Anfänge mit der Gefahr, das genuine Material (sprich das Musikalische selbst) zu ignorieren, und schon allein aus diesem Grund ist das Unternehmen des Holzhausen Verlages zu schätzen, mit der Reihe populärer "Musikporträts" zwischen musikhistorischer Orthodoxie und kultursoziologischen Konzepten zu vermitteln. Jüngst tat dies Manfred Wagner, Professor für Kultur- und Geistesgeschichte an der Universität für

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