Dr. Schüssels Schweigen

Seinesgleichen geschieht. Der Fall Böhmdorfer böte eine feine Gelegenheit für ein paar klärende Worte des Kanzlers.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Wolfgang Schüssel liebte es vor seiner Zeit als Kanzler, in goldglänzenden, barocken Sälen Versammlungen zu inszenieren, auf denen er, umjubelt von Anhängern und umrahmt von aufspielenden Kapellen, im austro-amerikanischen Stil zur Lage der Nation Stellung nahm. Seit er tatsächlich Kanzler ist, hat meines Wissens eine solche Veranstaltung nicht stattgefunden. Selbst der puttenreichste Barocksaal und die visionärste Videoshow könnten nämlich nicht davon ablenken, dass er wahrheitsgemäß bei einer solchen Rede berichten müsste: "The state of the union is far from strong. It is outright miserable."

So also werden wir Zeugen von Dr. Schüssels gesammeltem Schweigen. Einem Schweigen, das so eisern ist, dass ausländische Medien bereits dazu übergegangen sind, Schüssel den "eisernen Kanzler" zu nennen ("steely chancellor"). Der Eiserne hat es bereits bei Bildung der Regierung zustande gebracht, Österreich von Europa zu isolieren. Den Bericht der drei Weisen als Aufhebung dieser Isolation


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