Narbe am Bauch

Behinderte. In Österreich sind Zwangssterilisationen von geistig Behinderten noch immer erlaubt. Nun soll dieses Relikt aus der NS-Zeit beseitigt werden. Behindertenvertreter haben aber noch immer Bedenken.

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Nach Abschluss des Eingriffs wird man mit keinen psychologischen Folgen rechnen müssen, da die Patientin von der Bedeutung des Eingriffs keine Ahnung hat." So steht es im Revers über die auf Wunsch der Eltern durchgeführte Sterilisation einer 16-jährigen geistig Behinderten. Der Arztbrief stammt nicht aus dem Jahr 1939, sondern wurde 1994 verfasst. Der chirurgische Eingriff wurde damit begründet, dass das Mädchen "allfälligen sexuellen Wünschen keinen Widerstand entgegenzusetzen vermag" und somit die Gefahr einer Schwangerschaft bestünde. Ein Jahr nach der zwangsweisen Sterilisation bemerkten Ärzte bei dem Mädchen deutliche Anhaltspunkte für sexuellen Missbrauch durch den Vater.

Fälle wie dieser sind keine Seltenheit in Österreich. Experten gehen davon aus, dass sieben von zehn in Heimen untergebrachte behinderte Frauen sterilisiert wurden - die meisten davon gegen ihren Willen. "Statistiken gibt es nicht", meint die grüne Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr. "Denn kein


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