Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Frauenschicksale. Rund um Selma, eine tschechische Einwandererin im Amerika der Sechzigerjahre, hat Lars von Trier "Dancer in the Dark" gebaut. Ein todtrauriges Musical, starring Björk, die wie Julie Andrews in "The Sound of Music" klingt und wie Paula Wessely in "Mutterliebe" ihr Augenlicht für ihr Kind opfert. Wer dem Sound a la Rodgers und Hammerstein etwas abzugewinnen vermag, mit dem sollte man sich auch besser nicht auf eine Diskussion über die Entscheidung der Jury in Cannes einlassen, die erstmals einen auf Video gedrehten Film der Goldenen Palme für würdig befand.

Etliche Nummern kleiner, dafür umso wichtiger, ist "La voleuse de St. Lubin", ein Film, der bislang weder unzählige Festivalpreise noch einen europaweiten Kinostart für sich verbuchen konnte. Die französische Filmemacherin Claire Devers rollt darin einen drei Jahre zurückliegenden Gerichtsfall wieder auf, bei dem eine allein erziehende Mutter (Dominique Blanc), die in Supermärkten Fleisch für ihre Kinder gestohlen hatte, freigesprochen wurde - freilich nur in erster Instanz. Das Berufungsgericht wollte keinen Präzedenzfall riskieren und erkannte den Tatbestand, den man früher als "Mundraub" bezeichnete, nicht mehr an. Ein Film über Recht, Rechtsprechung, Rechtspopulismus.

Schließlich ein Film, der ursprünglich lediglich als Teil eines Ausstellungsprojekts gedacht war. "1: common.places" von der jungen österreichischen Regisseurin Fiona Rukschcio, in dem 27 Frauen von Erfahrungen und Umgang mit dem ganz normalen, alltäglichen Sexismus berichten (zu sehen im Rahmen der Sixpack-Reihe "Home Stories - Immer noch Frauensache", am 2.11., 22 Uhr, im Filmcasino).


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