Netzhaut unter Strom

Kunst. Mithilfe virtuos eingesetzter Technologie verwandelt der 32-jährige Kunststar Doug Aitken die Secession in einen abgründigen Lusttempel der Mediengesellschaft.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Wie viele Leute haben an diesem Bild gemalt?" Betritt man den Hauptraum der Secession, kommt einem Lady Dianas Frage in den Sinn. Die brechtianische Frage wird allerdings von keinem Rubens-Gemälde, sondern durch die wuchtige Multimedia-Installation des kalifornischen Künstlers Doug Aitken ausgelöst.

Der 32-jährige Aitken, der Musikvideos für MTV drehte, 1999 von Harald Szeemann auf die Biennale in Venedig und heuer auf die Whitney-Biennale geladen wurde, hat weit ausgeholt und die Secession mit seiner Ausstellung "Glass Horizon" visuell auf Hochtouren gebracht: Filmprojektionen laufen auf riesigen Leinwänden; ein großes X in der Mitte des Raumes wird von vier Seiten mit Film bespielt; dahinter befindet sich eine Art Triptychon mit Videomonitoren, und die allabendliche Außenwandprojektion setzt der Secession ein Augenpaar ein, sodass das Gebäude wie ein Gesicht unter einem Datenhelm im Art-deco-Stil aussieht.

Der von Tausenden visuellen Reizen durchzuckte Ausstellungsraum erinnert


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