Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Einmal noch dreht sich Mark in Antonionis "Zabriskie Point" um und blickt hinauf zum schicken, auf einem Fels stehenden Bungalow des Millionärs. Da explodiert das Haus, und dieser Wunschtraum von der Sprengung des Establishments ist im Film gleich mehrmals hintereinander zu sehen. Die modernistischen, kalifornischen Villen von John Lautner, Frank Lloyd Wright, Richard Neutra, Rudolf Schindler u.a. sind in den Filmen der Sechziger- und Siebzigerjahre von James Bond bis Columbo omnipräsent. Der Autodidakt Julius Shulman hat die genial in die wilde Landschaft eingepassten Bauten schon in den Fünzigerjahren dokumentiert. Seine Fotografien machten sie zu international bekannten Ikonen. Im MAK hält der 90-Jährige am 31.10. um 18.30 Uhr einen Vortragmit dem Titel "The Emergence of Modernism in California". In Wien stellt Shulman auch seine neuen, bei Taschen erschienenen Bildbände "Modernism Rediscovered" und "Richard Neutra - Complete Works" vor.

In Österreich baute Selfmademulti Frank Stronach der Wiener (Polit-)Prominenz die Siedlung "Fontana" bei Oberwaltersdorf. In der Galerie Hohenlohe und Kalb sind nun Fotografien dieser vor grauenvollem Stil-Eklektizismus strotzenden Villen zu sehen: Sie sind Teil der Installation "set!" von Barbara Holub (bis 17.11.). Ein Video zeigt ausländische Hackler, die den Boden von Holubs Ateliers teeren und nach kürzester Zeit im giftigen Nebel der heißen schwarzen Masse stehen. Auf diesem Boden hat Holub eine Gartenidylle mit Rasen und Liegestühlen errichtet und lässt Künstlerkollegen über dieses Ambiente plaudern, was sich perfekt in das kleine Panoptikum klassenspezifischer Stereotype und Distinktionswünsche einfügt.


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