Comandantina Dusilova: Gabelidiosynkrasien

Stadtleben | aus FALTER 43/00 vom 25.10.2000

Geschirr ist nicht Geschirr. Ganz besonders gilt diese haushaltstechnische Binsenweisheit für die Art und Weise, wie bei uns daheim mit Besteck umgegangen wird. Bei uns daheim werden Messer und Gabel nämlich nicht aufgelegt, wie das sonst so Sitte ist auf mitteleuropäischen Tischen, sondern bei uns daheim werden Messer und Gabel in eine Art Metall-Mikado gestreut. Die große Kunst bei dieser eher devianten Form des Tischdeckens ist nun, aus diesem Haufen just jene eine Gabel herauszufischen, die als Einzige ihre Bezeichnung verdient. Sieben von acht Gabeln bei uns daheim sind nämlich Designerstücke und zu allem zu gebrauchen, nur nicht zum Aufspießen und zu mundgerechtem Kurztransport von Happen und Bissen. Die sieben lausigen Designergabeln bei uns daheim könnte man nicht einmal den Wickie-Slime-und-Paiper-Leuten andrehen, weil sie nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit auch von denen als Sixties-Klumpert erkannt würden. Das Metall, aus dem die seltsamen Stücke gestanzt wurden, erinnert an rostfreies Kryptonit, und die größte Besteckfantasie von uns Kindern daheim hatte immer darin gegipfelt, Superman mit einer unserer Gabeln in den Solarplexus zu stechen. Tja, das wäre nicht sehr nett gewesen!


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