Leiden an Elfriede J.

Literaturbetrieb. Der Literatur stehen harte Zeiten bevor: Der Neoliberalismus hat die Kritik erfasst.

Vorwort | Klaus Kastberger | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Jedes Jahr bietet sich in Frankfurt das gleiche Bild: Zigtausend Neuerscheinungen machen den Lesern das Leben schwer, schließlich will man sich rasch mit den angesagten Büchern eingedeckt haben. Was dem Buchhandel das Weihnachtsgeschäft, ist dem Kritiker die eine Woche im Oktober. Plötzlich ist jede Menge Platz für Rezensionen da, wo ansonsten um jede Zeile gefeilscht wird. In der Frankfurter Woche wird dem Kritiker Eile und seiner Meinung Prägnanz abverlangt. Schließlich reden und schreiben in dieser einen Woche alle über nichts anderes als Literatur, da darf der Toback schon einmal ein bißchen stärker sein.

Besonders Wagemutige entwickeln - solcherart aufgeputscht - einen Rest Renaissancegeist: Noch einmal soll das Ganze erfasst oder sollen doch wenigstens die zehn Bücher der Saison halbwegs plausibel gruppiert werden - Saison für Saison sind es ja maximal zehn Bücher, denen eine flächendeckende Aufmerksamkeit zuteil wird. Das Zauberwort zu einer solchen Ordnung der Frankfurter


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